"malFREIzeit" der Kolpingjugend

Die Kolpingjugend Münster fordert mit ihrer „malFREIzeit“ mehr Freiräume für junge Menschen

Studenten haben in ihrem Leben genug Zeit, in der Ausbildung ist man tiefenentspannt und die Schulzeit – die ist eh die beste Zeit des Lebens: Dass Stress bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht vorkommt, das denken noch immer Genügend. Ein Grund für die Münsteraner Kolpingjugend, etwas dagegen zu unternehmen.

Ein Platz mitten in Münster voller bunter Kreidebilder, entspannte Passanten, viele kreative Kinder und das alles bei strahlendem Sonnenschein – so lässt sich die Aktion „malFREIzeit“ der Kolpingjugend Coesfeld zusammenfassen. Aber zurück zum Anfang: Im Herbst 2013 beauftragen die Jugendverbände den Landesjungendring NRW, ein „Bündnis für Freiräume“ zu schaffen. Der Grund: Immer häufiger leiden schon Jugendliche, vor allem Studenten, Schüler oder Azubis, unter riesigem Stress: Das Abitur steht an, es ist mal wieder Prüfungsphase, außerdem noch der Nebenjob. Wo bleibt da die Freizeit, das Nichtstun, der Müßiggang? Das Bündnis stellt Forderungen: Entschleunigung, Zeit und Platz, um sich selbst zu entfalten.

Auch die jungen Betreuer vom Diözesanverband Münster der Kolpingjungend kennen die Probleme, unterstützen die Ziele und schließen sich dem Bündnis an. „Wir wollen Leuten, die eine feste Meinung von ‚faulen Jugendlichen‘ haben, das Problem näherbringen“, sagt Christina Huster, die Diözesanleiterin der Kolpingjugend Münster. „Wir haben lange überlegt, wie wir das machen, hatten richtige verrückte Ideen, die teilweise gar nicht umsetzbar waren.“ Ein Gedanke bleibt aber beim gesamten Projektkreis hängen: Als Kinder waren wir wirklich entspannt und konnten tun und lassen, was wir wollten! Das noch einmal erleben... „Wir haben gemerkt, dass sich das sogar ziemlich gut wieder erleben lässt – zum Beispiel mit Straßenkreide!“

Und viel bunte Kreide findet man dann auch bei der „malFREIzeit“ in der Stubengasse, mitten in der Innenstadt von Münster. Rund 55 Mitglieder der Kolpingjugend sind da, malen auf den Platz, was sie unter Freiräumen verstehen, fahren einen Bobbycar-Parcours, füllen sich beim Candy-Bär eine Tüte mit Süßigkeiten – genau wie noch zu Grundschulzeiten. Dana, Mareike und Marie entspannen sich nach dem Kreidemalen auf den großen orangefarbenen Sitzsäcken, die verteilt wurden: „Wir haben schon wenig Freizeit durch Schule und Ausbildung. Wenn wir doch mal frei haben, dann treffen wir uns am liebsten und reden über ganz andere Dinge als unseren Lernstoff. Freunde sind für uns Entspannung!“ Schaut man sich die Kreide-Kunstwerke an, sieht man aber auch viel Natur: Blumen, Palmen, das Meer.

Die Bilder, die grell-orangefarbenen Jacken, die gelegentlichen laustarken Spiele und Gesänge – die Gruppe fällt auf, viele Passanten bleiben stehen. Eltern lassen ihre Kinder malen und hören sich währenddessen die Ideen der Kolpingjugend an. Die meisten zeigen Verständnis, kennen selbst stressige Phasen, denken an die Zukunft ihrer Kinder. Projektleiter Lennart Potthoff freut sich: „Das große Interesse ist toll! Natürlich möchten wir, dass die Leute auch länger darüber nachdenken und unser Problem verstehen. Denn irgendwo ist jeder betroffen oder erlebt in der Verwandtschaft, wie stressig schon die Jugend sein kann.“

Zumindest während der Aktion sind aber alle entspannt und der Tenor der Gruppe klingt auch nicht ausschließlich pessimistisch: Stress und ruhigere Phasen wechseln sich bei den meisten ab. Was Entspannung bedeutet, das muss am Ende dann jeder für sich entscheiden. Niklas, Marvin und Christopher haben da schon ein ganz gutes Rezept: „Sport, Sonne, Computer spielen und Freunde. Dann passt das!“

Text: Saskia Tietz