15. Dialogpreisverleihung

„Zeichen der barmherzigen Gottesgegenwart“

Bischof Dr. Felix Genn und die Bistumszeitung "Kirche+Leben" zeichneten beim Neujahrsempfang des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster vier Einzelpersonen, Gruppen und Projekte mit dem ‚Dialogpreis für gute Taten‘ aus, der in diesem Jahr zum 15. Mal verliehen wurde. Für die Organisation einer Menschenkette in Xanten als Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit wurde der Bezirk Niederrhein-Nord der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg geehrt.

Die Preisträger wurden aus 64 eingereichten Kandidaten ausgewählt. Überdies wurde in diesem Jahr ein ‚Überraschungs-Dialogpreis‘ vergeben. Denn angesichts der Fülle von Kandidaten, die sich für Flüchtlinge engagieren, wurde während der Preisverleihung aus den 20 Flüchtlingshelfer-Kandidaten, die eingereicht waren, einer stellvertretend für die anderen per Los ermittelt: die ökumenische Flüchtlingshilfe in Borken, die Gelder für eine Bürgschaft für eine syrische Flüchtlingsfamilie gesammelt hat. Außerdem werden 20.000 Aufkleber mit der Aufschrift ‚Ich helfe Flüchtlingen‘ vom Diözesankomitee an alle Pfarreiräte und Verbände im Bistum verschickt, damit von dort direkt Flüchtlingshelfer in den Gemeinden ausgezeichnet werden können. "Zugleich sind diese Aufkleber natürlich ein Zeugnis der Solidarität mit den Flüchtlingen", sagte die Jury.


Ausgezeichnet mit dem ‚Dialogpreis für gute Taten‘, der jeweils ein Preisgeld von 500 Euro sowie eine ‚Dialog-Skulptur‘ umfasst, wurden zudem: Die Pfarrgemeinde St. Gertrud im oldenburgischen Lohne für das Projekt ‚Gemeinschaft der Talente‘, mit dem sie versucht, Menschen mit Zeit und Fähigkeiten zum ehrenamtlichen Engagement zu gewinnen. Die Firmvorbereitung der Gemeinde St. Josef in Bocholt, die Jugendlichen zeigt, wie sie mit Menschen mit Behinderungen umgehen können. Der Bezirk Niederrhein-Nord der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und der Theologiestudent Stephan Orth, Initiator des Anti-Pegida-Protestes in Münster, für ihr Engagement gegen Rechtsradikalismus und für Toleranz.
Bischof Dr. Felix Genn lobte die diesjährigen Dialogpreisträger als Zeichen der "barmherzigen Gottesgegenwart". Besonders hob er die Arbeit der Flüchtlingsinitiativen hervor: "Ich werde nicht müde, Ihnen allen noch einmal für Ihr großartiges Engagement zu danken. Wer Fremde beherbergt, sich ihrer annimmt, der nimmt Christus auf!" Angesichts der Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und andernorts dürfe man sich nicht durch Parolen einschüchtern lassen, die sich gegen das Engagement für Flüchtlinge aussprächen. Auch in seiner Predigt im Festgottesdienst im St.-Paulus-Dom rief der Bischof die engagierten Laien auf, in ihrem Einsatz für Flüchtlinge nicht nachzulassen. Überdies sollten die katholischen Verbände auf die vielen Wunden in der Gesellschaft hinweisen, die Verantwortlichen im Staat wachrütteln und die Stimme für die Ärmsten erheben.


Der Preisverleihung vorausgegangen war der Vortrag des Festredners Monsignore Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Bischöflichen Hilfswerkes Misereor. Das Thema ‚Gerechtigkeit und Lebensstil in globaler Verantwortung‘ stand dabei im Mittelpunkt. "Nicht viel haben, sondern wenig brauchen", lautete Spiegels Appell. Er rief die 180 Gäste des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster auf, "die Welt mit den Augen der Armen und Anderen" zu sehen. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse des Pariser Weltklimagipfels und UN-Zielen für eine nachhaltige Entwicklung geht es nach Meinung Spiegels um die Frage: "Wie wollen wir leben – damit alle auf der Erde leben können?". Weiter erklärte er: "Es gibt immer Möglichkeiten umzukehren, persönlich und politisch. Das Wachstum der Einen und der Hunger für die Anderen sind nicht alternativlos." Er appellierte an die Zuhörer, den eigenen Lebensstil zu verändern: nur so viel zu konsumieren, wie nachhaltig möglich, oder auch fair und nachhaltig einzukaufen sowie zu teilen und zu spenden. Es gehe auch darum, "den aufstrebenden Mittelschichten weltweit gute Beispiele für neue Leitbilder zu geben".


Die Situation der Asylbewerber nahm die Vorsitzende des Diözesankomitees, Notburga Heveling, in ihrer Ansprache beim Neujahrsempfang in den Blick. "Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft, Güte – dies sollte unser Handeln gerade mit Blick auf die Flüchtlingsströme dieser Tage prägen. Und je mehr andere hetzen, sollten wir mit den Augen Jesu auf diese Menschen blicken." Zum von Papst Franziskus ausgerufenen ‚Heiligen Jahr der Barmherzigkeit‘ meinte Heveling: Barmherziges Handeln müsse sich in Strukturen und Lehre der Kirche wiederfinden, die zum Wohl der Menschen und nicht um ihrer selbst willen da seien. Diese erfordere neben dem Fokus auf Nächstenliebe auch strukturelle Konsequenzen. "Barmherzigkeit muss sich nach innen wie nach außen richten, dazu gehören die gerechte Beteiligung von Frauen in den Strukturen der Kirche sowie die Zulassung Geschieden-Wiederverheirateter zu den Sakramenten", sagte Heveling weiter.

Text: Bischöfliche Pressestelle, Foto: Michael Bönte
11.01.2016

 
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