Eine kleine Flamme als großes Zeichen

1.800 Pfadfinder empfangen Friedenslicht aus Betlehem im Dom
Eine kleine Flamme als großes Zeichen
Seyma Özdemir sprach als Vertreterin der Muslime im Dom.

„Wir kommen zu dir mit diesem kleinen Licht: Mach uns zu Boten dieses Lichtes und deines Friedens“: Diese Worte sind Bitte und Auftrag zugleich für die 1.800 Pfadfinderinnen und Pfadfinder, die am 14. Dezember im Paulus-Dom zu Münster das Friedenslicht aus Bethlehem in Empfang genommen haben.

Angesichts der vielen Kriegs- und Krisengebiete auf der Welt haben die Pfadfinderinnen und Pfadfinder ihre diesjährige Friedenslichtaktion unter das Motto ,Friede sei mit dir – Shalom – Salam‘ gestellt, als Zeichen für den interreligiösen Dialog. „Diese kleine Flamme ist ein großartiges, ein starkes Zeichen, ein Zeichen der Hoffnung auf Frieden und Völkerverständigung“, sagte Weihbischof Dieter Geerlings zu Beginn des ökumenischen Aussendungsgottesdienstes. Diesen feierte er zusammen mit Superintendentin Meike Friedrich, PSG-Diözesankuratin Elisabeth Frenke und DPSG-Diözesankurat Thomas Hatwig.

Und zeichenhaft ist der Gottesdienst: Als das Friedenslicht vom Altar aus seinen Weg zu den Menschen in den Bänken findet, breitet sich eine erwartungsvolle Stille aus. Langsam und vorsichtig wandert die Flamme von Kerzendocht zu Kerzendocht, ihr Leuchten erfüllt den ganzen Raum. Auch  Kimi, Benedikt und Lennard, drei Wölflinge von der DPSG St. Georg Hörstel, werden ganz ruhig, als das Licht der Kerze ihre Gesichter erhellt. Ein Strahlen huscht über ihr Gesicht. Dann erfüllen plötzlich arabische Klänge das Kirchenschiff, ein Gesang erklingt.

Interreligiöser Dialog ist in dieser Feier nicht nur ein Stichwort, er wird gelebt. Seyna Özdemir, eine Vertreterin der Muslime in Münster, ist eingeladen worden, ein Gebet zu sprechen. „Ich war schon nervös. Als ich aber das Gebet singen und sprechen konnte, wurde ich ruhig“, erklärt die Studentin der Islamwissenschaften. Ihr persönliches Highlight des Abends ist der Friedensgruß. „Ich habe mich hier nicht fremd oder exotisch gefühlt“, sagt sie, „aber als mir die jungen Pfadfinder ganz selbstverständlich den Friedensgruß gegeben haben, das war schon toll.“ Zu einem letzten Zeichen kommt es am Ende des Gottesdienstes, als der Schlusssegen gemeinsam von Superintendentin Friedrich und Weihbischof Geerlings gespendet wird. Die Magie des Augenblicks entlädt sich, als die Band der Jugendkirche effata(!) das Schlusslied anstimmt. 1.800 Kehlen schmettern ,Flinke Hände, flinke Füße‘. Ein Fest des Friedens geht zu Ende.

Am Schluss der Feier ist Ernst Wißmann aus Münster/Coerde „müde, aber glücklich.“ Der zwölfjährige Pfadfinder vom Stamm St. Franziskus hatte zuvor das Friedenslicht für die deutsche Delegation in Wien in Empfang genommen. „Ich war nicht wirklich aufgeregt. Es war eher ein schönes Gefühl“, erzählt er. Mit dem Zug reisten er und das Licht von Wien über München weiter Richtung Münster. Unterwegs wurde das Licht an jedem Haltebahnhof an dort schon Wartende weitergegeben. Ein Lichterband breitete sich so von Süden nach Norden durch ganz Deutschland aus. „Selbstverständlich halten wir beim Transport die Sicherheitsvorschriften der Deutschen Bahn ein“, erklärt Christian Schnaubelt, Pressesprecher der Pfadfinder Nordrhein-Westfalen. Er freut sich: „Pfadfinder in Kluft können für diese Aktion kostenlos die Regionalbahnen in Nordrhein-Westfalen nutzen. Die Bahn ist immer sehr kooperativ.“ Zum ersten Mal hätten sich auch die Stadtwerke Münster an dieser Aktion beteiligt. Für Schnaubelt schließt sich der Lichterkreis, wenn „die Kerzen an den Krippen Heiligabend mit Hilfe des Friedenslichts entzündet werden“.

Die Friedenslicht-Aktion geht auf die Initiative des Österreichischen Rundfunks (ORF) zurück: Seit 1986 entzündet jährlich ein Kind seine Kerze an der Flamme in der Geburtsgrotte in Bethlehem, dem Ort, an dem Jesus geboren sein soll. Von dort tritt die Flamme dann ihre Reise über den Erdball an. Die rund 220.000 Pfadfinder in Deutschland beteiligen sich seit 20 Jahren an der Aktion. Seit 1998 sind auch die Münsteraner Pfadfinder dabei, neben DPSG und PSG auch der evangelische Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). 

Text: Bischöfliche Pressestelle Münster
Foto: DPSG-Diözesanverband Münster